Parismarathon

Sonntagmorgen 5 Uhr Erbarmungslos rappelt der Wecker... oh je... es ist doch noch soooo früh. Um 6 Uhr ging es zum frühstücken und um 7 Uhr auf den Weg zum Startbereich. Am Place Charles de Gaulle (auf dem steht der Arc de Triomphe) angekommen, suchte ich die Avenue de Foch (Dort wird später das Ziel des Marathons sein), um mich umzuziehen und den Kleiderbeutel abzugeben. Die Kleiderbeutelabgabe klappte perfekt, noch keine Minute und es war erledigt. Nachdem nun auch das erledigt war, ging ich über den Place Charles de Gaulle zur Champs Elysee, wo der Startbereich aller Läufer war. Ich suchte meinen Startblock und hielt mich einige Zeit in einer Toreinfahrt auf. Versuchte, mich zu entspannen und vertrieb mir die Zeit mit Dehnungsübungen. 8:40 Uhr, so langsam wurde es ernst. Verabschiedung der restlichen Flüssigkeit in mir und ab ging es in den Startblock mit einer Endzeit von 4:30.

Eine riesige Menschenmenge versammelte sich bis zum Startbanner. Durch die Enge der vielen Körper spürte man wohlige Wärme. 27000 Läufer haben sich für dieses Jahr den Paris-Marathon unter die Füße genommen. 54000 Beine sollten sich stampfend und schnaufend durch Paris quälen. Nur noch 5 Minuten bis zum Start. Immer mehr T-Shirts, Pullover oder Plastikbeutel wurden von unzähligen Läufern abgestreift und über die Köpfe der anderen an den Rand des Läuferpulks geworfen. Hier und dort erhaschten ich das eine oder andere deutsche Wort und kam auch mit einigen deutschen Läufern ins Gespräch.

Plötzlich wurde es unruhig in der Menschenmenge. Einige begannen den Countdown zu zählen. Ist der Startschuß gefallen??? Dort, wo wir darauf warteten, daß es endlich losging, war nichts zu hören. Und dann... ja, es schien als setze sich die Läufermenge so langsam in Bewegung. Erst schrittweise, dann ein kurzes Antraben, ein paar Meter später jedoch wieder Schrittempo. Ich benötigten ca. 8 Minuten, bis wir die Startlinie erreichten und unsere Uhren endlich den erlösenden Befehl bekamen, mit der Zeitmessung zu beginnen. Nach ca. 500m kam, was ich mir eigentlich nicht gewünscht hatte, es setzte Regen ein. Die Läufer vor uns hinterließen uns einen riesigen Müllberg. Die Straße war übersät von Mülltüten, T-Shirts und Geträ¤nkeflaschen. Was für ein Gefühl sich in so einer Menschenmasse durch Paris zu schlängeln.

Die ersten 10 Kilometer waren ein reiner Triumphzug. Der Regen störte zu diesem Zeitpunkt nicht besonders. Es ging auf der Avenue des Champs Elysee über den Place de la Concorde in Richtung Louvre. Nach der ersten Zwangspausen bei Kilometer 5, die Trinkerei forderte ihren Tribut, fand ich schnell meinen Rhythmus und ließ mich von der Begeisterung der Läufermenge durch Paris treiben. Es ging weiter auf der Rue de Rivoli am Louvre vorbei bis zum Place de la Bastille. Kurz hinter dem Place de la Nation ging es dann in einen sehr großen Park, den Bois de Vincennes.

Es hörte auf zu regnen und ließ mich hoffen, doch noch trockenen Fußes ins Ziel zu kommen. Bis dahin aber war es noch ein weiter Weg. Leider musste ich in der Zwischenzeit feststellen, daß die Pariser mit einem Marathon nicht so viel am Hut haben. Es schien so, als würden wir durch eine Geisterstadt laufen. Die Menschen, die hin und wieder am Straßenrand standen, waren wahrscheinlich nur durch Zufall an der Strecke oder es waren Supporter für den einen oder anderen Läufer. Selbst an den Stellen, wo Musikgruppen die Läuferschar anfeuerten, waren nur sehr wenige Leute versammelt.

Von Kilometer 11 bis Kilometer 20 ging es durch ein schönes Fleckchen Grün am Rande von Paris. Die Verpflegungspunkte waren sehr gut bestückt. Es gab Vittel-Wasser Iso-Getränke, Apfelsine, Banane, Zucker und Rosinen.

Bei ca. Kilometer 20 ließ ich den Park hinter mir. Zwischendurch setzte immer mal wieder heftiger Regen ein. 

Weiter ging es, ein zweites Mal am Place de la Bastille vorbei Richtung Seineufer. Am Ufer der Seine ging es vorbei an den beiden Inseln Ile St. Louisund Ile de la Cite. Von Kilometer 25 bis Kilometer 33 hieß es: linker Hand Seine, rechter Hand hohe Kaimauer, die leider kaum einen Blick auf die Stadt erlaubte. Man musste also mit den Dingen vorlieb nehmen, die man auf der anderen Seineuferseite erblicken konnte.

Kurz vor Kilometer 30 ging es durch einen 1,5Km langen Tunnel. In diesem Tunnel verloren wir für kurze Zeit jegliches Zeitgefühl. Es waren immer mal wieder kurze Steigungen und Gefällstücke zu bewältigen.

Seit einigen Kilometern  mußte ich leider erkennen, daß langsam laufen auch nicht einfach ist und auch Kraft kostet. Es wurde immer schwerer und ich war nicht mehr im Zeitplan für eine Endzeit von 4:30, aber das war ja eh nur ein zweitrangiges Ziel.

Bis ca. Kilometer 33 verlief die Strecke immer noch am Seineufer. Bei Kilometer 34 erreichte der Marathontrupp den Porte de Boulogne am Rande des Parks Bois de Boulogne. Es ging vorbei an der Tennisarena Roland Garros und an einer riesigen Pferderennbahn, die wir fast komplett umrundeten. Weit bis ins Ziel war es nicht mehr.

Bei Kilometer 40 hatte ich das Gefühl, das Ziel ist noch etliche Kilometer weit weg. An der Strecke waren auch hier, so kurz vor dem Ziel, sehr wenig (eigentlich fast keine) Zuschauer. Die Straße war nur gesäumt von etlichen Autos. Autos statt Zuschauer - auch nicht schlecht.

Es waren nur noch wenige Meter, jetzt würde nichts mehr schief gehen. Die Zuschaueranzahl am Straßenrand wurde erst einige 100 Meter vor dem Ziel größer.

Ich war erleichtert, endlich den Zielsprecher zu hören und das Zielbanner zu erblicken. ES WAR GESCHAFFT.

Mit einer Endzeit von 4 Stunden 37 Minuten und 1 Sekunde lief ich über die Ziellinie. Wieder ein großer Schritt auf dem Wege zum Rennsteiglauf getan.

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