Kärnten Ironman Austria


- Statt Feier und Geschenken, 10h 34min Ausdauersport in drei Disziplinen -

Nach dem ich meinen ersten Ironman 2007 in Frankfurt so gut überstanden habe und nach Sichtung der Termine 2008 der 13.07. der Tag der Tage sein sollte, war alles klar: 2008 werde ich in Klagenfurt meinen Geburtstag auf der "langen Strecke" verbringen.

Die Vorbereitungen auf dieses Ereignis begannen im September 2007. Diesmal ohne viel "auf der Rolle strampeln" sondern mit etlichen Stunden im Fitnessstudio bei Spinning und "Eisenbiegen". Die Trainingseinheiten beim Schwimmen wurden auch ein wenig geändert. Bis März 2008 wurde der größte Schwerpunkt auf die Technik gelegt, bevor es dann von Intervalleinheiten zu den Ausdauereinheiten ging. Beim Laufen war das erste Ziel der Weiltalmarathon. Einige Vereinsmitglieder wollten diesen Marathon in 4 Stunden laufen und so bot ich mich als Trainingsziege und Pacemaker an. So war ich sicher, dass ich den Marathon in ca. 5:43 pro Kilometer und somit in meinem GA1-Bereich laufen werde. Ich weiß, viele sind der Meinung, einen Marathon in der Langdistanzvorbereitung passt nicht. Wenn der Marathon und deren Vorbereitung im schnellen Tempobereich des Athleten liegen, mag das auch durchaus zutreffen. Hat man sich aber im Griff und läuft mit angezogener Handbremse, ist das kein Problem. Die Radkilometer mußten diesmal ohne ein Trainingslager auf Mallorca aufgebaut werden. Sattdessen fuhren wir im Mai nach Oberstdorf und verbanden den Gebirgstäler-Halbmarathon mit einem 10-tägigem, knackigem Trainingslager, gespickt von vielen Höhenmetern. Nicht gerade ideal, da nicht immer im GA1-Bereich. Aber irgendwo muß die Kraft im Oberschenkel ja herkommen. Leiter musste Belinda verletzungsbedingt auf den Start beim Halbmarathon verzichten.

Zu viert, Angela, Matthias und die Lo's (Kurzform für die Lorenzen), wurden etliche Kilometer in den Allgäuer Alpen abgespult. Es ging einige Male über den Oberjochpass, durch das Tannheimer Tal, das Lechtal, zum Bodensee, über den Hochtannbergpass und den Riedbergpass. Danach hieß es Schwimm-, Rad- und Laufkilometer im Taunus, an der Nidda und am Langener Waldsee zählen. Der Trainingsumfang war im Vergleich zum Vorjahr etwas höher (ca. 18h. pro Woche)

Am Sonntag vor Klagenfurt betreuten und feuerten wir die Teilnehmer des Ironman Frankfurt an. Es war ein sehr langer und anstrengender Tag für uns alle und so langsam stieg in mir auch die Anspannung.

Am Montag stellte ich entsetzt fest, dass mein linkes Bein geschwollen war und schmerzte. Am Langener Waldsee haben mich wohl einige Insekten gestochen. Nach einem langsamen 10 km Lauf merke ich schon beim Duschen, dass etwas nicht in Ordnung war. Ich bekam Schüttelfrost und Schweißausbrüche. Wenig später legte ich mich dann völlig erschöpft und mit Fieber ins Bett. Am nächsten Tag war ich dann nur schlapp und müde. Mein Bein war immer noch geschwollen. Donnerstag war dann unser Reisetag und das mit geschwollenem Bein, welches sich erst am Freitag wieder erholen sollte.

In Klagenfurt herrtschen in den Tagen vor dem Wettkampf tropische Temperaturen und eine enorme Schwüle. Selbst in der Nacht war keine Abkühlung zu spüren. Es folgten nun die Dinge, die jeder so bei solch einem Wettkampf macht:

- Besuch auf der Messe
- Startunterlagen abholen
- die Wasserbedingungen des Sees antesten
- Pastaparty
- Wettkampfbesprechung
- Rad einchecken usw. 

Ein besonderes Augenmerk richtet sich immer wieder auf den Lendkanal, an dem wir bei unseren ganzen Unternehmungen immer wieder entlang gingen.

Die letzten ca. 800m der Schwimmstrecke werden in diesem Kanal geschwommen. Laut Veranstalter soll es für die Zuschauer einer der vielen Höhepunkte sein. Aber für die Schwimmer ??? Der starke "Grün"-Bewuchs war nicht zu übersehen und so richtig breit und tief war der Kanal auch nicht.

Unser Hotel lag mitten in der City und die Fahrt zum Start wurde durch das Hotel organisiert, was uns vollkommen entspannt in der Wechelzone ankommen ließ. Andere Teilnehmer mußten da wohl erheblich mehr Stress gehabt haben. So wurde später durch den Zieleinlaufsprecher bekanntgegeben, dass die Strafzettel, die reichlich verteilt wurden, nicht bezahlt werden müssen. Das ist schon peinlich. Fanden in dieser Stadt nicht einige Tage vorher Europameisterschaftsspiele im Fußball statt? Von Hinweisen auf die Parkplätze und einen eventuellen Shuttelservice war nicht zu sehen.

Nachdem alles gerichtet war, mußte die Wechselzone verlassen werden und wir begaben uns alle so langsam in das Standbad des Wörthersees, wo es in wenigen Minuten zur Sache gehen sollte.

Für mich verlief das Schwimmen bis zum Lendkanal ohne größere Zwischenfälle. So richtig voll wurde es dann aber in dem Kanal. Das ganze Feld wurde wie durch einen Trichter gezwängt. Dadurch, da das Wasser auch nicht gerade sehr tief war, wurde sehr viel Grund aufgewirbelt und jeder Armzug streifte durch das komische Grünzeug. Nach 01:05:58 war der Spuk vorbei, und ich hatte wieder festen Boden unter den Füßen.

Nun hieß es "wo ist mein Wechselbeutel"?? - Gefunden und ab in das Wechselzelt... Hier war allerdings auch richtiges Gedränge und ich entschloss mich, das Umziehen vor das Zelt zu verlegen. In Eilesschritten ging es zum Rad und raus aus der Wechselzone. Nun kam der Part, vor dem ich am meisten Respekt hatte. Schließlich waren 1600 Höhenmeter zu meistern. Zu allem Überfluß zog sich der Himmel zu, und es wurde von Minute zu Minute dunkler. Leichter Nieselregen setzte ein. Ich ahnte nicht Gutes und mußte notgedrungen an Roth denken, wo es wohl schon seit Tagen am regnen war. Ob meine Vereinskollegen heute vom Regen verschont bleiben? Der Regen wurde immer stärker und das ganze endete ca. 20 Km hinter Klagenfurt in einem heftigen Gewitter. So in den Bergen hört sich das alles noch viel bedrohlicher an. Meine innerlichen Flüche verwandelten meine Einstellung zur Lage in ein "jetzt erst recht". Ich versuchte mein Tempo so lange wie möglich zu halten und konzentrierte mich auf die nassen Straßen und alles was sich um mich herum tat. Ich hatte das Gefühl, Mensch heute geht es aber gut. Vielleicht war es auch nur die Wut in mir. Zwei mächtige Steigungen mit bis zu 12% mußten pro Runde gemeistert werden.  Es ging durch einige kleine Ortschaften mit engen Kurven, die bei diesem Wetter noch gefährlicher waren als sie eh schon sind.

Nach der ersten Runde stellte ich fest, das die Strecke trotz der Höhenmeter recht schnell ist. Das Gewitter hatte sich auch etwas beruhigt und so langsam klarte es auf. Durchatmen war angesagt und auf in die zweite Runde.

Nach 05:30:30 trapte ich in die Wechselzone und stellte mein Rad an dem angewiesenen Platz ab. Wieder die Suche nach dem Wechselbeutel. Da jetzt mehr Platz in dem Wechselzelt war, konnte ich mich sogar setzen und in aller Ruhe die Laufschuhe schnüren.

Jetzt ging es auf einen 21 Kilometer Rundkurs entlang des Wörthersees. Zuerst ging es Richtung Wendepunkt in Krumpendorf. Dann wieder zurück zum Start/Ziel Bereich und dann entlang des Lendkanals in Richtung Innenstadt. Leider gab es auf meinen ersten 10 Kilometern nichts zu lachen. Es setzte wieder ein heftiges Gewitter ein und in Sekundenschnelle waren einige Streckenabschnitte nicht mehr vom Wörthersee zu unterscheiden.

Durch einen Uhrendefekt hatte ich keine Ahnung wie schnell ich unterwegs bin und was meine Herzfrequenz so treibt. Ich lief also nur nach Gefühl, und das sollte in diesen Stunden nicht mehr das Beste sein.

Ich war viel zu schnell und der Regen machte die Sache auch nicht einfacher. Ab Kilometer 13 setzten erste Krämpfe ein und so wurde ich zu einigen Zwangspausen gezwungen. Jetzt war Kopfrechenarbeit und Mathematik gefragt. Würde ich es noch in meiner Taumzeit schaffen???? Ich lief den Marathon nun immer in kleinen Abschnitten, von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation. Das klappte ganz gut. Die Zeit der Verpflegung nutzte ich immer als kleine Erholungspause. Auf der letzten Runde war ich mir eigentlich sicher, dass ich es schaffen kann. Nach 03:50:18 war es dann endlich soweit. Der Lärm wurde lauter, die Zuschauermassen entsprechend grßer und ich durfte endlich dort abbiegen, wo es Richtung Zielkanal ging. Der Lärm war schon gewaltig, hunderte Armen winkten und dann war es geschafft!

Mit 10:34:52 Überquerte ich die Finishlinie und war froh, es geschafft zu haben. Jetzt stellte ich mir schon die Zielverfplegung vor und freute mich auf ein kühles Blondes. Das kühle Blonde gab es dann auch, aber der Rest war nicht so berauschend. Großes Gedränge herrschte im Zelt.  Zudem bildete sich eine mega lange Schlage an den Ausgabetischen für die Urkunde und Finishershirts. Belegte Brötchen, Suppen und aufgebackene Baguettes rundeten die Verpflegung ab. Eine noch größere Enttäuschung gab es dann bei den Duschen. Nur ein Duschwagon (ich glaube mit 5-6 Duschen) für alle Teilnehmer. Das ist wirklich nicht der Reißer. So wurde eben nicht geduscht.

Mein persönliches Fazit:

Klagenfurt ist eine schöne Veranstaltung auf der grünen Wiese. Gelernt habe ich hier eindrucksvoll, dass ein Vergleich der einzelnen Veranstaltungen untereinander im Triathlon nicht möglich ist.

In Klagenfurt ist der Triathlet ein Triathlet und in Frankfurt ist der Triathlet ein König. Klagenfurt hat den Rubertiberg und den Wörthersee, Frankfurt den Römer und die Professionalität. In Roth ist die Langdistanz absoluter Kult und der Solarerberg ist der Berg der Berge - auch im Dauerregen.

Ob das in Roth so stimmt, werde ich mir 2009 selbst mal ansehen.


Was für ein Tag: Meine erste Langdistanz unter 11 Stunden 

 AK  Schwimmen  Wechsel 1 Rad  Wechsel 2 Laufen  Gesamt  AK Platz  Gesamtplatz 
 M45 01:05:58 00:03:44   05:30:30  00:04:20   03:50:18   10:34:52 50 694

 

 


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