Eins nach Drei statt Fünf vor Zwölf

Die Wochen vor dem Start

Das waren turbulente Wochen im September und Oktober. Eigentlich stand nach dem Rennsteig fest, dass ich in Köln meine Marathonbestzeit von 3:12 unterbieten wollte. Ein Traum von einer Zeit um die 3:05 brachten meine Gehirnwindungen so richtig zum Grübeln. Leider kam es ganz anders, als ich es gedacht und geplant hatte: Nach dem Rennsteig wurde mit spitzer Feder an meinem Marathontrainingsplan gearbeitet. Aus meiner Vergangenheit war mir nur zu gut bewusst, dass ich eher zur Übertreibung tendiere. Da ich mir nicht sicher war, was und wie ich trainieren sollte und ich mit der Lauftheorie auf Kriegsfuß stehe, habe ich um Rat bei Leuten angefragt, die sich mit dieser Thematik besser auskennen. Ich muss sagen, ich habe einen Volltreffer gelandet. Ein sehr netter und kompetenter "Lauftreff-Forenschreiber" hat mir einen Trainingsplan gebastelt, der es in sich hatte. Sein Pseudonym ist "Der Heiner" und viele, die sich beim virtuellen Lauftreff tummeln, kennen ihn und wissen sicherlich seinen fachkundigen Rat zu schätzen.Ich möchte mich jetzt hier und an dieser Stelle recht herzlich bei ihm bedanken! Dange Dön!!! Lieber Heiner!!

In diesen Trainingplan mussten noch einige Events eingebaut werden, auf die ich auf keinen Fall verzichten wollte.Den Brüder-Grimm Lauf und den Jungfrau-Marathon wollte und konnte ich mir nicht entgehen lassen. Mein "Trainingsplanbastler" hat sich, obwohl er nicht sehr glücklich über meine Entscheidung schien, beste Mühe gegeben und diese Dinge mit berücksichtigt. Im Frühjahr hatten Gabi und ich auch noch das Glück, eine Startberechtigung für den New York-Marathon zu bekommen. Boooah, der New York-Marathon: Ein Hightlight für jeden Marathoni, und wir sollten dabei sein. Die Freude war natürlich riesengroß. Ich spulte nach einigen Tagen der Rennsteigregeneration meine ersten Trainingseinheiten ab. Nach gebremstem Brüder-Grimm-Lauf, mein "Trainingsplanbastler" hatte mir für diesen Lauf eine Tempobremse verpasst, kam der Jungfrau-Marathon mit anschließendem Urlaub. Plötzlich wurden unsere Träume, am New York-Marathon teilzunehmen von, ich muss es so sagen, "Verrückten Fanatikern" zunichte gemacht. Nach diesen schrecklichen Ereignissen haben wir uns nach langem Hin und Her dazu entschlossen, New York abzusagen. Wir haben uns so auf diesen Marathon gefreut, daß uns diese Absage nicht leicht fiel. Ich glaube, ich weine diesem läuferischen Leckerbissen immer noch eine Träne nach. Ich bin immer noch fassungs- und hilflos, wenn ich an diese Geschehnisse denke. So lange es auf dieser Welt  reich und arm, Hunger und Wohlstand gibt, solange eine Gruppe ihren Glauben oder den Drang nach Weltherrschaft durchsetzen will, wird es auch immer wieder zu solchen  Auseinandersetzungen kommen :-( Leider hat wohl die Menschheit gar nichts gelernt. Im Gegenteil, die Gier nach Macht und Wohlstand wird immer größer.

Diese Geschehnisse haben mich sehr beschäftigt und meinen Trainingseifer ein wenig ins Trudeln gebracht. Leider wurde meine berufliche Belastung zu diesem Zeitpunkt immer größer. Es gab tagelang nichts anderes als arbeiten und laufen. Die Quittung für diese Belastung und den verschwenderischen Umgang mit meinem Immunsystem ließ nicht lange auf sich warten. Nach einer langen Laufeinheit hatte mich ein Grippevirus fest in seine Fänge genommen. Unvernünftig, wie ich nun mal bin, ein Krebs halt, ignorierte ich die ersten Alarmzeichen und ließ nicht locker in meinen Arbeits- und Laufbemühungen. Was dann kam, war eigentlich abzusehen und vorprogrammiert. 10 Tage Laufpause und Pflege einer doch recht hartnäckigen Grippe. In meinem Kopf ging es ab wie in einem Brummkreisel, ein stetiges Surren und Summen... wie auf der Einflugschneise eines Bienenstocks. "Nein, nein" sagte ich immer wieder, "jetzt nicht auch noch Köln". Seit Monaten trainiere ich für diesen Tag und nun....Das Surren und Summen wurde immer heftiger... ich vertrieb mir meinen Frust mit dem Lesen des Gesundheitsforums beim virtuellen Lauftreff. Glücklicherweise (für mich) erwischte es wohl noch mehrere Marathonis, die in der Zwischenzeit hoffentlich alle wieder gesund sind. Nachdem ich einige Postings im Forum gelesen hatte, habe ich mich schweren Herzens dazu entschlossen, den Köln-Marathon abzusagen. Die Enttäuschung saß so tief, daß ich mir noch nicht einmal die Live-Übertragung im TV ansehen konnte. Ich hatte das Gefühl, in mir bricht eine Welt zusammen. Nach schweren qualvollen Tagen des "Viren-aus-dem Körper-Verscheuchens" entschloss ich mich, alles auf den Frankfurt-Marathon zu verschieben. Der Trainingsplan wurde einfach um 3 Wochen verlängert und die ausgefallen Einheiten nachgeholt. Langsam nahm ich mein Training wieder auf. Leider musste ich feststellen, daß nichts mehr so war wie vor der Grippe. Ich war total müde, kraftlos und unmotiviert. Meine Pulswerte waren viel zu hoch und die Tempovorgaben konnte ich nur mit Mühe einhalten. Ich zweifelte immer mehr an mir, und befand mich in einer totalen Krise. Aber ich hatte ja noch einen ganz lieben Menschen um mich und meinen "Trainingsplanbastler". Beide sprachen mir immer wieder Mut zu, und richteten mich Stück für Stück wieder auf. Nur sehr langsam war ich auch selbst in der Lage, meinen Kopf aus dem Sand zu ziehen und mir wieder Hoffnung zu machen. Ob ich meine Zeitvorgaben erreichen würde, war mir da schon nicht mehr so wichtig. Einfach nur laufen war jetzt wichtiger. Wie war das noch mit den "Lügen haben kurze Beine" ? Seit ein paar Tagen läuft es wieder ganz gut, und ich bin frohen Mutes, wenigstens meine Bestzeit zu knacken.

In der Woche nach Köln hatte ich meinen Trainingsrückstand einigermaßen aufgeholt. Doch leider bin ich wohl in das nächste Fettnäpfchen getreten. Seit ein paar Tagen plagen mich Schmerzen im linken Knöchel. Morgen habe ich einen Termin beim Doc. Mir wird übel beim Gedanken an seine Worte! Es sind noch 7 Tage bis zum Marathontag. Wird alles gut gehen? Wie ist es um mein Schicksal bestellt? Die Diagnose: Eine Kapselreizung am linken Knöchel, die mit Spritzen und Salbe in den Griff zu bekommen ist. Mein alter Kumpel, der Fersensporn, ist auf dem Röntgenbild auch sehr gut zu erkennen. Ich bin mir nicht ganz sicher, glaube aber, daß er an Masse zugelegt hat. Zum Glück ist er schmerzfrei. Vor fast einem Jahr hat dieses nette Knochenanhängsel mich ganz schön geärgert. Dank einiger Ultraschallbehandlungen, Krankengymnastikstunden und gezielten Dehnübungen für die Füße hat er sich beruhigt und schmerzt seitdem nicht mehr. Toi Toi Toi *auf Holz klopf*  Eines gilt noch festzuhalten: Ich habe in den letzten Wochen mehr Geld für Medikamente ausgeben als für die köstlichen Brötchen und Brote beim Bäcker Krauspe in der Mainzer Landstraße.

Freitag, 26.10. der letzte Arztbesuch. Kurze Untersuchung, es gab die letzte Spritze. Mein Doc wünschte mir viel Glück für Sonntag und verordnete mir nach dem Wettkampf eine Erholungspause. Ich durfte also Laufen.. na dann mal los.....

Die diesjährige Marathonmesse war mal nicht nur ein Hertie-Ramschverkauf. Meiner Meinung nach war sie ein voller Erfolg. Es gab eine Menge Hä¤ndler und das eine oder andere Schnäppchen. Weiter so!!!
Bei so einer Marathonmesse kommt schon einiges zusammen.

Dann erfolgt das Aussortieren und die Sache wird Übersichtlicher.

Das Nötigste für den Marathon passt später in einen einzigen Beutel.

Bei der Pastaparty am Vorabend gab es erst mal die richtige Stärkung für den Marathontag.

- Die letzten Augenblicke vor dem Start -
Dieser Linie galt es zu folgen!

Wie sollte es auch anders sein! Frankfurt, 28.10.2001, 7:00 Uhr und Dauerregen. Es ist nicht zu fassen. Jedes Jahr das gleiche Spiel. Entweder Regen, Sturm oder beides. Das einzig Positive an diesem Sonntagmorgen war die fast absolute Windstille. Windstille - einer meiner Wünsche für diesen Tag schien in Erfüllung zu gehen. WINDSTILLE

Der Morgen dieses Tages gestaltetet sich wie jeder andere Morgen an einem Marathontag. Frühes Aufstehen, Frühstück, leichtes Unbehagen, trinken, Klamotten packen, pflastern und cremen und dann ab zum Start (diesmal mit dem RMV, den Öffentlichen in Frankfurt).

Gegen 9:45 Uhr - Passtschon98-Treffpunkt in der Festhalle Rang 1, rechts oberhalb der Bühne. Sehr gefreut habe ich mich über einen kurzen Besuch meines Trainingplangestalters. Christian, mein Trainingsplanbastler und Erwin, im 3w bekannt als MAO, kamen kurz zu unserem Treffpunkt und wünschten mir alles Gute. "Mao", Klasse, dass ich Dich auch mal offline kennengelernt habe.

Es regnete immer noch *grusel* Das erste Mal bei einem Marathonstart packte ich meinen jungen Körper in ein Hülle aus Plastik. Ja, ihr habt schon richtig gelesen. Ich war am Samstag noch auf der Wellness-Messe "LifeTime" in der Halle 4 und habe einen BioAging-Test gemacht. Auf einem Fahrradergometer musste ich strampeln. Der Computer hat nach Beantwortung von einigen Fragen die Wattzahl vorgegeben und nach 3 min einen Testbericht ausgeworfen. Als Testergebnis steht dort geschrieben :"Ihre Fitness ist SEHR GUT und entspricht einem physiologischen Alter von 20 Jahren"

30 Minuten waren es noch bis zum Start. Ich war ganz schön nervös. Würde mein Fuß halten? Würde ich die Tempovorgaben meiner Marschtabelle einhalten können. Oh Gott, nur keinen Einbruch. Ich war nicht in der Lage, mich zu beruhigen und zu konzentrieren. Tausend Gedanken durchdrangen mein Gehirn.

42195 Meter bis in's Ziel

Endlich, Bewegung kam in die Meute. Es tat sich etwas. Ich konnte keinen Startschuss vernehmen aber irgendwie ging es los. Ich brauchte nur knapp über eine Minute, bis ich über der Startlinie war und meine  Pulsuhr starten konnte. Nun wurde es also ernst.Die ersten Kilometer. Würde ich gleich in mein Rhythmus kommen? Wie waren die ersten, wenn auch unwichtigen Kilometerzeiten? Es kam mir vor, als würde ich einen Schnitt von über 5 min laufen. Doch ein Blick beim Km 1 sagte mir, dass ich zu schnell war. Plötzlich hatte ich eine Menge Läufer vor mir, die alle wesentlich langsamer waren als ich. Was ist hier los, dachte ich mir. Dass es immer wieder Läufer gibt, die sich nicht an die Startblockeinteilungen halten können und sich einfach hinstellen, wo sie wollen. Ich wollte schon den einen oder anderen Läufer darauf ansprechen, sagte mir aber: "mach dir jetzt bloß keinen Stress und überhole einfach". Ich kam mir vor wie ein Slalomfahrer, der die Abfahrtsstangen umkurvt. Nervig ist das schon! Später im Ziel erfuhr ich dann, dass es sich dabei um  Läufer aus dem Startbereich der B-Blöcke handelte. In den B-Blöcken, etwa auf gleicher Höhe wie die A-Blöcke, starteten Läufer mit einer Endzeit um die 4:30 und langsamer, die sich dann nach den ersten Kilometern mit den Schnelleren der A-Blöcke vermischten. Toll organisiert. Ich hoffe für den Veranstalter, dass hier im nächsten Jahr einiges besser gemacht wird.

Km 10: Gleich bekomme ich meine erste Versorgungsration. Die Durchgangszeit bei Km 5 war schneller als meine Vorgabezeit. Ich fühlte mich super und war in meinem Rhythmus. Ich entdeckte Marion, Ergin und Frank und kurze Zeit später durch Zufall auch Petra und Gerhard. Ich hatte gerade lautstark das etwas müde Publikum zur Anfeuerung aufgefordert, als ich auf die beiden aufmerksam wurde. Da war er nun, der Kilometer 11. Meine erste Verpflegung war zum Greifen nahe. Ich erkannte Claudia, die genau am vereinbartem Punkt auf mich wartete. Super Claudia und ein großes "Danke schön". Weiter ging es im Trott. Ich fühlte mich blendend. Meinen schmerzenden Knöchel hatte ich mittlerweile einfach ignoriert und aus dem Gedächtnis gestrichen. So ging es Kilometer für Kilometer durch die Frankfurter Innenstadt. Irgendwo standen auf noch die Neffs und jubelten uns zu. Super!!!.

Ich war immer noch viel zu schnell. So langsam wurde mir die Sache unheimlich. Wie lange soll ich das noch durchhalten?  Wann kommt der Einbruch??? Oh je... egal, weiter! Du fühlst dich super. Mach weiter, "Keine Schmerzen, du schaffst es!" Ich machte mir Mut und peitschte mich weiter an. Was ich in diesen Momenten fühlte, ist kaum in Worte zu fassen. Ich bekam nicht mal so richtig mit, dass ich eigentlich seit einigen Kilometern nur noch am überholen war. Läufer um Läufer schnappte ich mir und zog an ihnen vorbei. Kilometer 20, meine 2. Verpflegungsstation. Ich erkannte Gunter schon von Weitem. Er schrie mir zu, dass meine Zeit fantastisch wäre und reichte mir meine Verpflegung. Die Sache wurde mir immer unheimlicher. Meine Halbmarathon-Durchgangszeit war über 2 Minuten schneller als geplant. Wie lange würde das gut gehen????  Noch vor dem Start hatte ich große Zweifel, überhaupt meine geplante Endzeit zu schaffen. In Niederrad lief ich auf eine größere Läufergruppe auf. Die Gruppe wurde von 4 Spiridon-Läufern angeführt. Ich schloss mich dieser Gruppe an. Nach einigen Metern bemerkte ich aber, dass das nicht mein Tempo war. Ich musste einen Gang rausnehmen und fragte dann in die Runde, welche Endzeit angepeilt war. Die Antwort von 3h 9min minus x reichte mir, um zu wissen, dass das hier nix für mich ist. Ich ging tatsächlich aufs Ganze. Kilometer 30, meine nächste Verpflegung. Endlich lag der Ödeste Teil der Strecke, Goldstein, Niederrad und Schwanheim hinter uns. Wir liefen über Nied nach Höchst. Bei Kilometer 28 sah ich auf der anderen Straßenseite Lisa, meine Verpflegungsdame für Kilometer 30, stehen. Ich rief ihr zu: " Lisa, ich bin gleich bei dir". Wir liefen eine Schleife durch Höchst, wo in den vergangen Jahren auch schon mehr los war. Das Wetter war bestimmt nicht das beste, es hatte übrigens schon seit km 20 aufgehört zu regnen. In den vergangen Jahren war hier immer die Hölle los. Ich sah das Schild mit dem Aufdruck KM 30 schon von Weitem und wusste, dort steht Lisa. Martin hatte ihr Gesellschaft geleistet. Zu meiner Überraschung wurde mir die Verpflegung von Frank gereicht, der einige Meter neben mir lief. Er sagte mir, das Stefan nur knapp 2 Minuten vor mir war. Was!?! dachte ich. Das kann doch nicht sein. Bin ich so gut, oder was ist los heute. Ich fühlte mich wie... ich kann es nicht beschreiben. Den Kilometer 30 passierte ich bei 02:08:28. Meine Zeitvorgabe war 02:12:14. Ich war über 3 min schneller! Noch lagen 12 Kilometer vor mir. Ich wusste aber spätestens jetzt, du kannst es schaffen... Nein, nein : "DU WIRST ES SCHAFFEN". Weiter ging es wieder durch Nied und dann auf die Mainzer Landstraße - ein Strich in der Landschaft, riesig breit und gerade wie ein Strich auf dem Papier.

Bei Kilometer 35 wartete Gunter mit einer Notration auf mich. Ich entschied mich, obwohl keine Not am Mann war, die Verpflegung zu nehmen. Gunter war ganz aus dem Häuschen als er mich sah. "Mensch das wird ne klasse Zeit. Super siehst du aus". Gunter, du kannst dir nicht vorstellen was nun in meiner Birne abging. Ich hatte das Gefühl, ich laufe wie eine Maschine, ohne zu denken, ohne zu fühlen. Linker Fuß, rechter Fuß, Schritt für Schritt, Meter für Meter dem Ziel entgegen. Es waren nur noch 7 Kilometer, so langsam fing ich doch an, zu rechnen. Mann, sagte ich mir, die magische 3-Stunden-Grenze. Ist es möglich?. Ich weiß nicht mehr, wie gut ich noch rechnen konnte. Ich mobilisierte noch mal alle meine Kräfte und überholte Läufer um Läufer. Ich bemerkte eigentlich erst jetzt, dass ich seit dem Start nur am überholen war und mich selbst sehr wenige (na ja, es waren jedenfalls nicht viele) überholten. Kilometer 38, es ging wieder in die Innstadt. So langsam kroch dann doch das Gefühl von Müdigkeit in mir empor. Schlappmachen, dachte ich. Nee, schlapp gemacht wird jetzt nicht. Ich versuchte mein Tempo zu halten. Bei Kilometer 38 stand Marlies. Sie war bestimmt aufgeregter  als ich. Sie reichte mir die letzte Trinkflasche. Jetzt gab es den letzten Kick. Ich könnte es schaffen. Es wird eng, aber versuchen musst du es. In meinem Kopf tanzten die Kilometer Samba. Ich nahm die Zuschauer nur noch im Unterbewusstsein zur Kenntnis. Irgendwo standen wieder Marion, Ergin und Frank. Wolfgang Wetzestein habe ich auch zweimal gesehen. Und da war, bei Kilometer 40 der Vanman. Ich jubelte ihm schon von Weitem zu. Ich hörte, wie er mich über seine Lautsprecheranlage ankündigte und sagte, dies sei mein Ersatzmarathon für New York. Es waren noch 2,195 Kilometer. Meine Uhr zeigte 2:51:42 an. Oh je, gib noch mal alles. Die Zuschauer peitschten mich noch einmal an. Dort stand Petra, war sie es überhaupt???? Ich gab noch einmal alles, alles was jetzt noch da war..., was war eigentlich noch da? Ich spürte meine Füße, die sich am Morgen noch mit Schmerzen meldeten, nicht mehr. Es war wie der Instinkt eines Raubtieres auf der Jagd. Nur was jagte ich??? Ich glaube, ich wusste in diesem Moment ganz genau, was oder wenn ich jagte.

Noch eine Rechtskurve und das Ziel war in Sichtweite. Auf die Uhr sah ich nun nicht mehr. Egal war jetzt passiert, nur noch bis da vorne! Ich befand mich in einem Zustand, den ich ich schon lange nicht mehr gespürt hatte. Mir verriss es förmlich den Kopf. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Zuschauer, waren da überhaupt welche, sicherlich, nahm ich überhaupt nicht mehr wahr. Die Ziellinie!!! Jubel, Erleichterung, glücklich. Meine Arme wurden soooo lang, ich hätte die ganze Welt umarmen können. Habe ich die 3h-Marke unterboten?. Ein Blick auf meine Uhr zeigte es mir schwarz auf Digital "3:00:59". Das war knapp. Eine nie vorstellbare Zeit und ich bin sie gelaufen. Ich konnte es einfach nicht fassen. jubbbbbel. Wenn ich jetzt an meine letzten Trainingswochen denke - kaum für vorstellbar hätte ich es gehalten. Jeden der mir so etwas prophezeit hätte, hätte ich für Verrückt erklärt. Ich hatte große bedenken überhaupt  mein selbst gestecktes Ziel von 3:05 zu laufen.   Nach dem ich meine Medaille um den Hals bekam, mich umgezogen und gestärkt hatte, machte ich mich wieder auf zum Zielbereich. Ich hatte erstaunlicherweise nur geringe Probleme, was meine Beine betraf. Mir ging es gut und die Freude kannte keine Grenzen. Nach und nach trudelte ein Passtschon98'ner nach dem anderen ein. In den Ergebnislisten wurde dann eine Zeit von 3:01:00 für mich registriert. In der M40 belegte ich den 117. Platz und wurde gesamt 627. Übrigens geht das Gerücht um, dass in der Festhalle ein Marathoni mit Zigarre im Mund und einer Sektflasche in der Hand entdeckt wurde. Nur keine Panik, die Zigarre und der Sekt haben fantastisch geschmeckt und verdient habe ich es mir allemal :-)

story and Pic's made by Achim © 2001

Das Universum und die menschliche Dummheit sind unbegrenzt. Bei Ersterem bin ich mir nicht so sicher. (Albert Einstein)

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