Alta Badia 2014

2 Jahre nach Achims Bergunfall hatten wir wieder Lust auf die Berge in Südtirol. Unser Ziel war das beschauliche Örtchen La Villa in Alta Badia. Von hier aus konnten wir etliche Gipfel besteigen, da es ziemlich zentral gelegen ist. Die Kreuzkofelgruppe wacht sozusagen über dem Tal, der Naturpark Fanes- Sennes-Prags sowie das Bollwerk Sella sind in unmittelbarer Nähe. Also genügend Ziele zum Austoben.
Zum Einlaufen ging es auf den Hausberg La Ila (2077 m). Nicht so ganz nach unserem Geschmack, da auf den großzügigen Gipfelplateau ein Funpark errichtet ist. Die Tourismusmanager verunstalten doch immer wieder die schöne Bergwelt, sei es mit einer Minigolfanlage oder irgendwelchen anderen Attraktionen am Berg. Aber zum Ankommen, Erkunden und Orientieren der Gegend völligst ausreichend.

Große Fanesalpe, Limo-See und Limo-Pass

Wetterbedingt haben wir uns für eine leichte Wanderung zur Großen Fanes-Alpe entschieden. Nach einem anstrengendem Aufstieg von der Faneshütte (Capanni Alpina) zur Aussichtsloge Col Loggia (2060 m) erstreckte sich das Hochplateau der Großen Fanes-Alpe vor uns auf. Auf seichtem Wege ging es durch grüne und blumenübersähte Wiesenhänge. Wie aus dem Nichts entdeckten wir unmittelbar am Wegesrand Edelweiß zwischen all den anderen Bergblumen wie Enzian und gelben Alpenmohn.
An der Großen Fanes-Alpe (2104 m) trauten wir unseren Augen nicht. Zwischen all dem Braunvieh und Dalmatiner-Rindviechern (wir nannten diese so, da sie so getupft waren) tauchten freilaufende Pferde auf. Sogar einige Fohlen waren dabei. So etwas haben wir noch nie gesehen. Pferde in Stallungen kennt ja jeder, aber diese Szenerie hatte etwas Erhabenes.
Weiter führte uns der Weg zum Limo-See (2159 m), der bei bestimmten Lichtverhältnissen tatsächlich Gelb wie Limonade schimmert. Kommt wohl von den vielen gelben Bergblumen, die um das Ufer herum blühen.
Unser Tagesziel war mit dem nahegelegenen Limo-Pass (2172 m) erreicht. Nach einer ausgedehnten Mittagspause mit Blick auf die Kreuzkofelgruppe (nur von der anderen Seite aus gesehen) traten wir den Rücktritt an.

Lagazuoi

Unsere nächste Tour startete am Falzarego-Pass (2105 m), um das Gebiet um den Kriegsberg Lagazuoi nochmals zu erkunden. Vor einigen Jahren waren wir schon mal in diesem Gebiet unterwegs, konnten jedoch aufgrund Starkregen und Null-Sicht die umliegenden Berge nicht mal erahnen. Doch dieses Mal war es anders. Blauer Himmel, kein Wölkchen am Himmel. Diese Tour führte uns in das nördlich vom Falzarego-Pass liegende Gebiet. Wir stiegen zur Forcella Travenances (2507 m), dann zur Forcella Grande. Von hier aus hatten wir einen sehr guten Blick auf den Kleinen Lagazuoi, auf dem sich Hunderte von Wanderer tummelten. Wir umrundeten eine der Fanis-Spitzen, fanden eine spektakuläre Bergabpassage, hautnah am Fels entlang und bereuten keine Minute, diese Tour gewählt zu haben. Über etliche Schneebretter gelangten wir bergauf wieder auf die Forcella Travenances, von wo aus wir dann den Rückweg zum Parkplatz des Falzarego-Passes einschlugen.

Heiligkreuzkofel

Ein Hospiz, ein kleiner Klettersteig, ein Gipfel und ein Rückweg, der kein Ende nehmen wollte.

Wir haben uns für Heute den Luxus gegönnt, Aufstiegshilfen zu nehmen. Und das gleich zwei Mal hintereinander. Von dem Örtchen Pedratsches, ein Nachbardorf von La Villa, ging es erstmal zur Mittelstation. Unmittelbar dahinter ging es weiter mit der nächsten Bahn zum Heilig-Kreuz Hospiz auf 2045 m Höhe. Von hier aus startete unsere Tour zur Heiligkreuzscharte (2609 m) und zum Heiligkreuzkofel (2908 m). Der Steig führte uns über Geröllrinnen, wo wir uns manchmal Sicherungen wünschten. Zumal dieser Steig als leicht deklariert wurde. Vielleicht lag es an unserer psychischen Verfassung, denn so ganz wohl war es uns beiden auf diesem Steig nicht. Das letzte Stück führte auf einem Fels-Band entlang zu einem letzten Steilstück (gesichert), denn irgendwoher müssen ja die 600 Höhenmeter vom Hospiz aus zur Scharte zusammenkommen. Von der Scharte aus führte ein gut begehbarer Steig zum Gipfel des Heiligkreuzkofels (2907). Unser Rückweg führte uns zur Scharte zurück und über den Kesselrand des Fanes-Gebietes zur Forcella Medesc (2591 m). Diese Forcella hat es in sich. In der prallen Sonne und im puren Geröll ging es ziemlich steil bergab. Wir waren in voller Erwartung auf die Höhe, wenn Latschenkiefern uns begrüßten, doch bis dahin lag noch ein langer Abstieg vor uns. Endlich begrüßten uns die kargen Gewächse und es war nicht mehr weit, bis wir die Baumgrenze erreichten. Nun ging es durch einen wunderschönen Nadelwald (MedesWald) in einem Affentempo recht eben zum Hospiz zurück, wo wir den Lift 10 Minuten vor Schließung erreichten und ziemlich kaputt dem Tal entgegen schwebten.

Unser "Ruhetag" Von einer Spaßburg zur nächsten.

Ruhetag bei den Lo's bedeutet nicht gleich Nichtstun, sondern einfach einen Gang zurückschalten. Diesmal sollte die Liftkarte glühen, der MountainPass. Hiermit kann man alle Aufstiegsanlagen in Alta Badia nutzen. Und genau das wollten wir Heute machen. Wir starteten in La Villa, wo uns die erste Bahn unterhalb des Rifugios Gardenaccia ausspuckte. Einem guten ausgebauten Steig folgten wir zur gleichnamigen Hütte, die auf 2050 m liegt. Ein Panorama auf Sella-Gruppe, Kreuzkofelgruppe bis zum Falzarego-Pass und den Fanisspitzen, wo wir noch vor wenigen Tagen waren, tat sich vor uns auf. Nach einer genüsslichen Erfrischung traten wir den Rückweg und die Rückfahrt an.
Doch damit nicht genug. Wir fuhren mit der nächsten Gondel auf den Hausberg La Ila (2077 m). Wir suchten uns ein ruhiges Fleckchen, was auf diesen Spaßburgen, wie Achim sie nannte, nicht ganz einfach war. Wir wanderten weiter in der Hoffnung eine nette Lokalität zu finden, doch wir zogen eine Rast auf unsere Decke mit einer kleinen Vesper -umringt von dem Summen der Insekten- vor. Wir wanderten weiter durch ein Gebiet mit etlichen im Moment stillgelegten Liftanlagen bis wir die Piz Sorega-Hütte erreichten, von wo aus die Bahn uns in das Örtchen St. Kassian brachte. Durch das gleichlautende Tal ging es gemütlich am Fluß nach La Villa zurück.

Cristallo-Gruppe oder Drehort des Action-Filmes Cliffhanger mit Silvester Stallone

Diese Gegend war schon seit einigen Jahren unser Ziel. Dieses Jahr hat es endlich gepasst. Wir drückten uns auch nicht vor der langen Anfahrt, denn immerhin befinden wir uns mitten in den Dolomiten, da kann eine Strecke von ca. 35 Km doch schon über eine Stunde Autofahrt in Anspruch nehmen. Und dann noch der Samstags-Verkehr quer durch Cortina D'Ampezzo. Den Auftakt gab eine Liftfahrt von der Capanni Rio Gere (1690 m), kurz vor der Pass-Höhe Tre Croci (1809 m), zum Rifugio Sonforca (2235 m). Hier hieß es umsteigen in eine andere Aufstiegshilfe, die es in sich hatte. Mit einem altertümlichen Tonnenlift, der nur so krächzt und ächzt, ging es knapp 25 min. bergauf bis zur Forcella Staunies, wo das Rifugio Lorenzi auf 3000 m Höhe in der zerklüfteten Bergwelt thront. Allein der Blick aufwärts, immer die Scharte vor Augen und überall die kleinen im Wechsel roten und gelben Tönnchen, wie sie so am Seil hingen, war schon aufregend genug. Wir mussten uns erstmal von dieser Fahrt erholen, es ist ja nicht gerade gemütlich in so einer Tonne. Unser Ziel war die 27 m lange Hängebrücke, die längste in den Dolomiten, und noch ein Stückchen weiter. Aufgrund knapp bemessener Zeit haben wir leider nicht den kompletten Sentirio Ivano Dibona geschafft. Man sollte doch, um alles genießen zu können, oben auf der Hütte übernachten oder mit Betriebsbeginn der Bahn nach oben fahren. Wir genossen noch viel Zeit auf der Terrasse der Hütte und schwelgten in Erinnerungen von Gipfelzielen ringsum, die wir in den letzten Jahren erreicht hatten. Die Rückfahrt war nicht weniger aufregend und macht sogar hungrig. Auf der sog. Zwischenstation im Rifugio Sanforca stärkten wir uns mit leckeren Speckknödeln, die so fluffig waren, dass sie fast auf dem Löffel zerfielen. Sehr lecker. Mit einem Gefühl, den Sentirio Ivano Dibona doch eines Tages zu meistern, fuhren wir unserem Ausgangspunkt entgegen.

527efb333