Gardasee 2011

Längst fälliger Bericht über unseren Urlaub in Arco vom 23.4.2012 bis 4.5.2012

Am 23.4.12 ging es endlich los. Zum zweiten Mal wollten wir die Region am oberen Gardasee unsicher machen. Diesmal hatten wir die Mountainbikes mit an Bord.
Die Region rund um Arco und Riva ist bekannt für Mountainbiketouren in allen Schwierigkeitsgraden. Es ist wahrhaftig das Eldorado für Mountainbiketouren. Wir konnten somit am Frühstückstisch entscheiden, ob wir
in unsere Wander- und Klettersachen reinschlüpfen wollen oder doch lieber die Radlerhosen bevorziehen. Dass jedoch dieser Urlaub so ein unschönes Ende nehmen würde, wussten wir zum Glück anfangs nicht.
Diesmal waren wir mit einem Kastenwagen der Marke Globecar unterwegs. Er ist noch kompakter und somit wendiger als der Alkoven.
Am späten Nachmittag traten wir unsere Reise Richtung München an. Vorbei an der rot erleuchteten Allianz-Arena ging es kurz vor die österreichische Grenze, wo wir uns für ein paar Stunden aufs Ohr legten. Ausgeruht ging es am nächsten Morgen an Innsbruck vorbei, traditionsgemäß nahmen wir ein Frühstück an der Raststätte Europabrücke ein. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Brennerpass, wo ein heftiger Schneeschauer tobte. Leide sollte uns das schlechte Wetter bis Arco begleiten. Auf dem Campingplatz war leider unser beliebter Platz vom letzten Jahr bedingt durch aufgeweichten und vorerst nicht mehr betretbaren Boden gesperrt. Im Dauerregen hielten wir nun zu Fuß nach einem geeigneten Platz Ausschau. Auch auf diesem Platz war das Rangieren des Vans kaum möglich, da der Boden so aufgweicht war und wir froh waren, als der Wagen doch einigermaßen in der Waagerechten stand.Am späten Nachmittag setzte der Regen aus und die Wetterprognose der nächsten Tage ließ auf Sonnenschein hoffen.
Und tatsächlich, der nächste Morgen begrüßte uns mit einem strahlenblauen Himmel.

Aufwärmtour Sentiero attrezzato dei Colodri


Wir beschlossen an diesem Tag den Sentiero attrezzato dei Colodri in Angriff zu nehmen. Ein kurzer leichter Klettersteig, genau das Richtige für den ersten Tag.
Der Einstieg ist direkt am Campingplatz. Vom Gipfel des Colodri ging es weiter zum Monte Colt und zurück durch das Tal Laghel nach Arco.


 
Montainbiketour nach Pregasina

Am nächsten Tag tauschten wir unsere Kletterhelme gegen Radhelme. Wir fuhren entlang der Sarca Richtung Riva und dann auf der traumhaft schönen alten Ponalestraße, die leicht oberhalb von Riva verläuft. Unser Ziel war Pregasina. Hier wendeten wir und genossen die lange Abfahrt nach Riva.


Mountainbiketour durch das Sarcatal

So richtig Lust auf die Vertikale hatten wir an diesen Morgen nicht und beschlossen, nochmals die Räder zu nehmen. Diesmal ging es jedoch in die nördliche Region nach Pietramurata. Es ist ein sehr schöner Radweg mit einigen kniffligen Stellen drin, doch für geübte Biker kein Problem. Der Rückweg verlief durch das Naturschutzgebiet Marocche di Dro nach Arco.


Gipfelsieg am Cima SAT

Es wurde mal wieder Zeit, in die Wandersachen zu steigen. Also beschlossen wir mit dem öffentlichen Bus nach Riva zu fahren, um auf den Cima SAT über den Klettersteig Via dell´Amicizia zu gehen. Ein sehr schöner Klettersteig oberhalb von Riva. Die Highlights waren die langen steilen Leitern, die uns schnell etliche Höhenmeter überwinden ließen. Am Gipfel genossen wir den Blick auf Riva, den See und nach Arco.

Besteigung des Gipfels Cima Capi

Da für die nächsten Tage das Wetter etwas schlechter werden sollte, stiegen wir am nächsten Tag nochmals in die Wanderschuhe, um uns auf den Weg zum Cima Capi an der Südflanke des Rocchetta-Massivs zu machen. Die Tour begann wieder in Riva. Und wo wir noch vor wenigen Tagen mit dem Rad unterwegs fahren, befanden wir uns nun mit den Wanderstiefeln auf der alten Ponalestraße, denn dort befindet sich der Einstieg. Ca. 2 Stunden dauert der Aufstieg, bis wir endlich die ersten Stahlseile sahen und wir unsere Klettersteigausrüstung für den Sentiero Susatti anlegen konnten. Bis hierher war es schon ein schweißtreibender Weg. Die Anstrengungen der Vortage taten das Restliche dazu. Etwas mehr als eine Stunde sollten uns die Stahlseile bis zum Gipfel begleiten. Auch hier genossen wir immer wieder die Tiefblicke auf den See, auf Riva und bis nach Arco.
Leider setzte am Gipfel leichter Regen ein, so dass sich unsere Gipfelrast verkürzte. Da sich der Himmel nun endgültig mit schweren grauen Wolken zuzog, beschlossen wir kurzerhand den direkten Abstieg nach Riva in Angriff zu nehmen. Die weiteren Klettersteige, die eigentlich noch folgen sollten, ließen wir im wahrsten Sinne des Wortes links liegen. Zumal wir sie aus dem letzten Jahr kannten. Durchnässt stärkten wir uns in einem kleinen Café in Riva, bevor wir die Heimreise via Bus zum Campingplatz antraten.
So gut es ging machten wir uns in unserem kleinen Kastenwagen gemütlich und warteten auf besseres Wetter.


Passo San Giovanni per MTB

Torbole, Ausgangspunkt für diese Mountainbiketour, liegt an der Mündung des Flusses Sarca am nördlichen Ende des Gardasees. Was lag da also näher, den gut ausgebauten Radweg von Arco aus wieder zu benutzen.
Es ging auf gut markierter Radroute durch Weinberge direkt zum Passo San Giovanni. Von dort durch ein wunderschönes Biotop namens "Lago di Loppio". Immer wieder staunten wir über diese Vegetation, die aus einem ehemaligen Seen- und Sumpfgebiet hervorgeht. Weiter entlang der Staatsstraße (auf Radweg) an dem Städtchen Loppio vorbei bis kurz vor Mori, wo die Tour doch anspruchsvoller wurde. Bergauf durch kleine einsame Dörfer bis zum höchsten Punkt. Von nun an hieß es für uns, auf einem Traktorweg sehr steil und steinig bergab versuchen zu fahren. Beim Versuch blieb es für uns auch. Wir schiebten dann lieber bergab, um nicht unsere Hälse zu brechen. Auch so ein Weg hat ein Ende und mündete auf einer asphaltierten Kreuzung, von wo aus wir den bereits bekannten Radweg der Hinstrecke erkannten.


Montainbiketour zum Lago di Ledro

Da uns die alte Ponalestraße oberhalb von Riva so faszinierte, führte uns diese Tour wieder dort hin. Auf der alten Ponalestraße teilt sich der Weg entweder nach Pregasina, den wir ja bereits kannten, oder zum Lago di Ledro. In etlichen Kehren geht es bergauf. Immer wieder mussten wir anhalten und von dieser -leider immer mehr zerfallenen Straße- Fotos zu machen. Die alte Ponalestraße mündet später an der neu erbauten Hauptstraße zum See.
Es geht durch verschiedene Dörfer wie Biacesa und Pré, wo doch einige Montainbiker unterwegs sind. Zwischendurch immer wieder knackige Anstiege. Diese Route scheint beliebt zu sein. Am See angekommen pfeift ein starker Wind, der uns die Entscheidung in ein Café zu gehen, und nicht die Umrundung des Sees anzusteuern, abnahm. Auf gleichem Weg ging es zurück nach Riva bzw. Arco,
um selbstverständlich die Abfahrt auf der alten Ponalestraße nochmals in vollen Zügen zu genießen.


Das unschöne Ende des Urlaubs

Der Gipfel des Monte Albano sollte es werden, ein Krankenhausaufenthalt mit Not-OP wurde es. Eigentlich mögen wir über diese Tour garnicht schreiben. Sehr wahrscheinlich lag es daran, dass es Monate gedauert hat, bis wir diesen Bericht fertig bekommen haben.
Wie es zu dem Unfall von Achim gekommen ist, kann er bis heute nicht sagen. Er weiß nur noch, dass er am Klettersteig Via attrezzata Monte Albano abgerutscht ist und sich den Mittelfinger gebrochen hat. Zum Zeitpunkt des Geschehens wussten wir natürlich nicht, dass es sich hierbei um einen offenen Bruch handelte. Belinda, die etwas oberhalb von Achim stand, dachte nur, der Finger sieht so komisch aus. Und dann verlief alles ganz schnell. So meinten wir. Nachdem Achim am Berg nicht weiter konnte, und Belinda einen Notruf abgesetzt hat, dauerte es doch schätzungsweise 1,5 Std. bis die Bergwacht inkl. Helikopter anrückten. Zum Glück waren wir nicht allein am Berg. Ein junger polnischer Mann war mit seinen Freunden ebenso auf dem Klettersteig unterwegs. Sie bekamen hautnah mit, dass Achim sich in Bergnot befand.
Der junge Mann blieb bis zum Eintreffen der Bergretter bei uns. Belinda weiß bis heute nicht, wie sie der Leitstelle am Telefon die ganze Situation in englisch erklären konnte. In der Not macht man sich einfach keine Gedanken über Satzstellung und Grammatik. Leider konnte der Helikopter nicht nah genug bei uns landen, da wir uns an einer senkrechten Wand unterhalb eines Felsvorsprungs befanden. Achim hing nur noch in seinem Klettersteigset. Bedingt durch einen Schock hatte er keine Kraft mehr, auf einen Eisenstift zu treten. Belinda hatte sich mit den jungen Polen auf einen ca. 10 cm tiefen Absatz gestellt. Wahrhaftig für 1,5-stündigen Warten keine bequeme Stellung.
Die Bergretter wurden vom Piloten etwas unterhalb von uns herabgelassen, so dass sie auch erstmal den Klettersteig begehen mussten, um zu uns zu gelangen. Sie sicherten erst sich selbst und dann den verletzten armen und blassen Achim. Langsam wurde Achim abgeseilt, dann Belinda, die auch nicht mehr in der Lage war, weder nach oben noch nach unten zu klettern. Der junge Pole machte sich auf dem Weg nach oben, zumal seine Freunde zurückkamen, um nach ihm zu schauen.
Auf sicheren Boden wurde Achim mit einem Quad ins Städtchen Mori gefahren, wo bereits ein Rettungswagen auf uns wartete, der uns in das nahegelegene Krankenhaus nach Rovereto brachte. Hier hieß es dann warten, warten und nochmals warten. Hier ist zu erwähnen, dass die Bergretter, die Ärzte und Pfleger unwahrscheinlich verständnissvoll und überaus freundlich waren. Da es sich um einen offenen Bruch handelte, musste sofort operiert werden. Nach etlichen Stunden im Krankenhaus traten wir in die kühle Abendluft hinaus. Ein Taxi brachte uns nach Mori zurück, wo das Wohnmobil stand. Völligst abgeschlagen kamen wir am Campingplatz an. 
Die darauffolgende Nacht war die Hölle. Immer wieder spukten die Bilder des Unfalls vor unseren Augen vorbei. Wir beschlossen, den Urlaub einen Tag früher zu beenden und traten die Heimreise mit gemischten Gefühlen an.

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